In einer Zeit, in der fast alle natürlichen Erdressourcen aufgebraucht sind und deren Preis stetig steigt, greifen wir neben Gas- oder Ölvorkommen auch auf andere Energiequellen zurück. Einen besonders unerschöpflichen Vorrat bietet hier die Erdwärme, welche in Fachkreisen auch Geothermie genannt wird. Laut Wissenschaftlern würde in Anpassung des heutigen Weltenergiebedarfs eine Erdwärmenutzung für 30 Millionen Jahre decken. Da die Erde kontinuierlich Wärme produziert ist ein Nutzen über diesen großen Zeitraum durchaus möglich. Doch woher stammt die Erdwärme und wie kann man diese Energie schöpfen?
Nach heutigen Kenntnissen befinden sich im Inneren des Erdkerns Temperaturen von vermutlich über 6.000°C, welche im oberen Erdmantel noch bei etwa 1.300°C liegt. Tagtäglich strömen aus diesem Erdinneren enorme Energiemengen an die Erdoberfläche in den Weltraum. Somit sind eigentlich gute Voraussetzungen gegeben andere Energieressourcen auszutauschen und umweltfreundlich durch die Erdwärme Energie zu gewinnen. Dank neuester Technologien ist es heutzutage auch schon möglich diese klimaschonenden Energiequellen zu nutzen. Leider ist es nicht so einfach diese Energie aus dem Erdinneren zu gewinnen. Beispielsweise ist es sehr gut in Island, die die Erdwärme über Geysire – heiße Springquellen, welche in unterschiedlichen Abständen Wasser unterirdisch heraus stoßen – erlangen. Bereits seit ca. 70 Jahren zapfen die Isländer diese heißen Quellen mittels Wärmepumpen oder Wärmetauscher an und können somit ihren Strom- und Wärmebedarf fast vollständig decken. Sicherlich hat diese Methode viele Vorteile zu bieten, doch wie sieht es mit den Nachteilen aus?
Im Vergleich zu anderen Energieträgern bietet die Geothermie einen unschlagbaren Vorteil: man kann sie zu jeder Tages- und Jahreszeit nutzen unabhängig von Wetterverhältnissen, oder Veränderungen der Klimabedingungen. Der Platzbedarf für eine Erdwärmeheizung ist sehr gering – auch ein Lagerraum, wie beispielsweise Öltanks für eine Zentralölheizung, ist nicht notwendig. Im Gegensatz zu anderen Energiequellen, wie zum Beispiel die Nutzung von Erdgas, ist eine Erdwärmeheizung absolut gefahrlos und da eine Erdwärmeheizung vollkommen automatisch funktioniert, ist diese für den Verbraucher auch durchaus komfortabel. Ebenso fallen keine Abfallstoffe an, die unserer Erde schaden könnten, da nichts verbrannt wird. Lediglich eine kleine Kohlendioxidemission wird bei Verwendung der Elektroaggregate ausgestoßen. Langfristig gesehen setzt sich diese Energiegewinnung laut Experten auf jeden Fall durch, da man wesentlich preiswerter Wärme nutzen und die Betriebskosten somit auf rund 30% senken kann.
Dennoch hat diese Methode auch einige Nachteile aufzuweisen: um die Erdwärme zu nutzen benötigt man spezielle Kollektoren, welche eine ausreichend große Fläche erfordern. Diese Kollektoren funktionieren ähnlich wie Erdwärmesonden: in geringer Bodentiefe von ca. 80-160 cm werden PE-Schleifen horizontal verlegt – meist werden diese im Garten eines Hauses untergebracht. Wichtig und entscheidend für die richtige und optimale Nutzung der Erdwärme ist allerdings erst durch eine passende Heizungsanlage gegeben. Für eine normale Heizungsanlage würde zuviel Energie unverwendet verbraucht werden. Preislich gesehen müssen für Erdwärmeanlagen momentan noch tief in die Tasche gegriffen werden. Da allerdings die Nachfrage nach Erdwärmepumpen immens steigt, werden die Preise nach und nach deutlich fallen.
Weiterer Nachteil: die Erdwärmepumpen benötigen ein Kältemittel, welches aktuell durch FKW – Fluorkohlenwasserstoff – eingesetzt wird. Dies ist im Gegensatz zu dem schädigenden FCKW kein Vergleich, dennoch hat dies ein gewichtiges Treibhauspotenzial: bereits ein Gramm des Kältemittels FKW, welches in die Atmosphäre hinausdrängt, ist gleichzustellen mit mindestens 1,3 Kilogramm CO². Dieses Kältemittel entweicht während des Betriebs der Erdwärmeheizung und ist nicht zu verhindern.
Weiterhin ist eine effektive Nutzung einer Erdwärmeheizung nur dann gegeben, wenn diese Wärme für gut gedämmte Häuser verwendet wird. Auch für die Warmwasserbereitung beispielsweise ist eine zusätzliche Energiequelle angebracht, da die Arbeitszahl der Erdwärmepumpen deutlich absinkt, wenn ein höheres Temperaturniveau durch zum Beispiel eine Warmwassernutzung für ein Vollbad benötigt wird. Diese zusätzliche Energiequelle kann wiederum durch eine Solar- oder Gasanlage geschaffen werden, was allerdings auch wieder mit Kosten verbunden ist. Ob eine Erdwärmeheizung daher sinnvoll ist sollte durch eine Gesamtkostenrechnung offen gelegt werden.

